Es war so etwas wie die Goldene Generation, die der TSV Tröster Breitengüßbach 2016 auf das Parkett der TOP4-Endrunde in der altehrwürdigen Ulmer Kuhberghalle schickte. Zwar war das U19-Team der Franken in der Historie der Nachwuchs Basketball Bundesliga stets ein Garant für individuelle Klasse und fast immer Stammgast, wenn die Deutsche Meisterschaft ausgespielt wurde, doch die „Class of 2016“ war schon ein besonderer Jahrgang.

Arnoldas Kulboka zum Beispiel legte in Bamberg den Grundstein für seine internationale Karriere. Zwei Jahre nach dem TOP4 in Ulm sicherte sich das NBA-Team Charlotte Hornets die Rechte an dem litauischen Youngster; seit 2019 steht er beim spanischen Erstligisten CB Bilbao Berri unter Vertrag. Nils Haßfurther und Moritz Sanders wechselten nach ihrer Ausbildung im Programm von Brose Bamberg zum ProA-Ligisten Nürnberg Falcons, wo sie auf Anhieb zu Leistungsträgern mutierten. Seit dieser Saison steht Haßfurther in Reihen des Erstliga-Klubs s.Oliver Würzburg. Leon Kratzer wird ab dem 6. Juni mit den FRAPORT SKYLINERS beim „Corona-Turnier“ der easyCredit BBL in München um den Deutschen Meistertitel kämpfen. Tibor Taras wurde zum MVP des NBBL TOP4 gewählt, tauchte anschließend allerdings ein wenig ab. In der vorzeitig abgebrochenen letzten Saison spielte er für die RheinStars Köln in der 1. Regionalliga.

Zweiter NBBL-Titel für Güßbacher Talentschmiede

Neben dem zweifellos großen individuellen Talent warfen die Güßbacher in der NBBL-Saison 2015/16 natürlich auch wieder ihr traditionell stark ausgeprägtes Teamplay in die Waagschale – eine Kombination, die seinerzeit von keinem anderen NBBL-Team zu matchen war. Auch nicht von ALBA BERLIN, das den jungen Franken im U19-Finale gegenüberstand. Wie eigentlich in jedem NBBL-Jahr verfügten die Hauptstädter auch 2016 wieder über einige herausragende Individualisten: Ferdinand Zylka (SYNTAINICS MBC) und Tim Schneider (ALBA-Profis) haben inzwischen das höchste nationale Ligalevel erreicht, doch vor vier Jahren mussten auch sie sich den Güßbachern beugen. 65:46 hieß es am Ende einer Defensivschlacht, die dem TSV Tröster nach 2012 den zweiten U19-Titel bescherte. Topscorer bei Breitengüßbach wurde Nils Haßfurther mit 16 Punkten, für Berlin kam Tim Schneider auf 12 Punkte.

Die Entscheidung im NBBL-Finale 2016 fiel im dritten Viertel, als die Franken dank einiger Treffer von Downtown Punkt um Punkt davonzogen. Waren sie schon mit einer 34:25-Führung in die zweite Halbzeit gegangen, so machten die Schützlinge von Headcoach Markus Lempetzeder in den folgenden zehn Minuten den Deckel drauf. Über 38:25 (23. Minute) und 48:30 (26.) eilte der TSV bis auf 58:34 (30.) davon – von diesem Zwischenspurt sollten sich die junge Albatrosse in finalen Abschnitt nicht mehr erholen. Jeweils zwei Dreier von Sanders und Felix Edwarsson waren im dritten Viertel mitentscheidend.

Ein David Krämer reichte Ulm nicht

Bitter für die Gastgeber: ratiopharm ulm war beim eigenen Turnier sowohl in der NBBL als auch in der JBBL unter den jeweils vier besten Teams in Deutschland mit dabei, zum Titel sollte es freilich in beiden Ligen nicht reichen. Das U19-Team hatte das Pech, im Halbfinale gegen den späteren Deutschen Meister Breitengüßbach antreten zu müssen und verlor mit 56:65. Auch 23 Punkte von David Krämer, der aktuell im Roster des Farmteams der Phoenix Suns, den Northern Arizona Suns (NBA G-League), geführt wird, konnten daran nichts ändern. Im zweiten Halbfinale standen sich ALBA BERLIN und die Young Dragons Quakenbrück. Letztere hatten beim 53:81 keine Chance.

 

JBBL: Bittere Finalniederlage für die Gastgeber

Nachdem die Ulmer U19-Jungs am Vortag im Halbfinale ausgeschieden waren, ruhten die Hoffnungen der „Spatzen“-Fans auf dem JBBL-Team, das nach dem 74:61-Sieg über die favorisierten Lichterfelder schon eine Hand an der Meisterschale hatte. Den Triumph vor eigener Kulisse vereitelte jedoch die Spielgemeinschaft von Eintracht Frankfurt und FRAPORT SKYLINERS, die sich im Halbfinale gegen die Metropol Baskets Ruhr mit 55:51 durchgesetzt hatte. Auch im Endspiel vor rund 2.000 Zuschauern zeigten der hessische Nachwuchs keine Nerven und hatte nach 40 intensiven Minuten mit 61:53 die Nase vorn. Für die Hessen war es der erste Titelgewinn in der JBBL. 

Ähnlich wie beim U19-Finale dominierten auch im JBBL-Endspiel die Abwehrreihen beider Seiten. Es entwickelte sich über die gesamte Dauer des Spiels eine zähe Partie, in der es kaum einmal einfache Würfe gab. Weder Ulm noch Frankfurt gelang es in der Regel, innerhalb der 24 Sekunden-Angriffszeit ein System ordentlich und vor allem mit Abschluss durchzulaufen. Auch dadurch – und vielleicht durch die große Nervosität auf beiden Seiten – waren die äußerst mageren Wurfquoten von 12 (Frankfurt) bzw. 18 Prozent (Ulm) im ersten Viertel zu erklären, die zum Viertel-Zwischenstand von 9:4 für die Hausherren führten.

Auch in den zweiten zehn Minuten dauerte es vier Minuten, ehe die Hessen den Punkte-Bann brachen und auf 6:9 verkürzten. Bei den Frankfurtern war es Fabian Bender, der sein Herz in die Hand nahm, mehrfach mutig zum Korb zog und sich mit sechs Punkten (von insgesamt 15) in diesem Viertel belohnte. Nicht ins Konzept von Eintracht-Coach Olaf Kanngießer passte das frühe dritte Foul von Big Man Noah Litzbach, der zwei Minuten vor dem Viertelende vorsichtshalber auf die Bank beordert wurde. Ein Rückschlag für die Frankfurter, die dem körperlich dominanten Ulmer Big Man Mate Fazekas (21 Punkte) ansonsten wenig entgegenzusetzen hatten. Da sich die Wurfquoten nur unwesentlich besserten (31 / 25 Prozent, jeweils 0 Prozent von der Dreierlinie), ging es mit dem niedrigen Score von 20:20 in die Halbzeitpause.

Frankfurt holt das Momentum auf seine Seite

Verlief die erste Halbzeit über weite Strecken noch recht zäh, so änderte sich das nach dem Seitenwechsel. Als erste legten die Frankfurter ihre Zurückhaltung ab: Felix Stahl mit einem Drei-Punkte-Spiel, Nationalspieler Jim Gietz und der agile Bender schraubten die Führung auf 36:29. Gleichzeitig wurden die Faulprobleme der Hessen nicht kleiner: Bender kassierte sein drittes Foul, Stahl gar sein viertes. Fazekas und ein Dreier von Dejan Puhali brachten die Ulmer wieder in Schlagdistanz (34:38, 26.), doch das Momentum blieb auf Seiten der Eintracht, die mit einer 46:38-Führung ins Schlussviertel gingen.

Hier brachten die Hessen auch das vierte Foul für Gietz und ein Dreier von Puhali zum 43:48 (31.) nicht aus dem Konzept. Zwei Treffer von Downtown, abgefeuert von Bender und Gietz, brachten die Hessen nach 32 Minuten ein ganzes Stück näher an die Meisterschale (54:43). Ulm schaffte es nicht, den Ball unter den Korb zu Fazekas zu bringen, wo die foulgeplagten Frankfurter nicht mehr so beherzt zupacken durften. Ein Dreier von Köpple brachte die Gastgeber fünf Minuten vor Schluss auf neun Punkte heran, doch die Frankfurter waren zu diesem Zeitpunkt schon auf die Siegerstraße eingebogen und verteidigten ihren Vorsprung selbstbewusst. Punkte von Dietz, der anschließend zum TOP4-MVP gewählt wurde, und Onyia zum 61:49 (39.) machten schließlich den Deckel drauf.

 

Voriges 1 von 4 Nächstes
Voriges 1 von 4 Nächstes

 

PM: NBBL gGmbH / JF