Nachwuchs und Jugend Basketball Bundesliga

NBBL/JBBL: Doppelmeister FC Bayern München vor der neuen Saison

Entwicklung vor Titeln

Throwback. Sonntag, 26. Mai 2019. 1.600 Fans in der Sparkassen-Arena Jena werden immer leiser – zumindest, wenn sie Anhänger des Heimteams Science City Jena sind. Die U16-Jungs der Jenaer kämpfen wie die Löwen, doch am Ende sollte es gegen den FC Bayern München und dessen überragenden Akteur Benjamin Schröder nicht reichen. Der Shooting Guard erzielt im Finale um die JBBL-Meisterschaft 36 Punkte, zwölf Rebounds sowie jeweils sechs Assists und Steals. Bayern siegt mit 104:86 und sichert sich zum ersten Mal in der Vereinshistorie die deutsche U16-Krone. Zweieinhalb Stunden später ist dann das Double perfekt, denn auch die U19-Mannschaft des FC Bayern Basketball gewinnt ihr Finale gegen den Erzrivalen TSV Tröster Breitengüßbach mit 84:80 – nach 2015 und 2017 schon der insgesamt dritte U19-Titel für die Bajuwaren.

Leistungsträger gingen – Mission erfüllt

Eine tolle Momentaufnahme, doch auch für den doppelten Champion FC Bayern beginnt die neue Saison 2019/20 wieder bei Null. Und die steht unter anderen Vorzeichen als die vergangene: Mit Bruno Vrcic (FRAPORT SKYLINERS), Kilian Binapfl (Telekom Baskets Bonn), Daniel Zdravevski und Jonas Gieseck (beide Phoenix Hagen) haben vier Leistungsträger den Klub verlassen. Damit haben die Münchener – so widersinnig es im ersten Moment auch klingen mag – ihre Mission erfüllt. „Wir wollen in erster Linie junge Spieler entwickeln, erst danach geht es um Titel“, sagt Andreas Wagner. Vrcic und Co. haben sich durch ihre Entwicklung für andere Profi-Klubs interessant gemacht und wol-len nun in Frankfurt, Bonn bzw. Hagen den nächsten Schritt machen.

NBBL/JBBL TOP4 2019; Foto: Sven Kuczera

Für Wagner war die vergangene Saison eine spezielle: Er kehrte 2018 zu seinem Heimatverein zurück, nachdem er bereits von 2000 bis 2006 bei den Bayern einst Regionalliga- und Zweitliga-Coach und später Assistent unter Svetislav Pesic beim BBL-Team war, mit dem er 2014 die Deutsche Meisterschaft gewann. Nach seiner Rückkehr im vergangenen Sommer übernahm er unter anderem die U19 als Headcoach. „Dass wir dann auf Anhieb wieder den Titel gewinnen konnten, ist natürlich klasse. Wir wurden in unserer Hauptrundengruppe von Anfang an gefordert und haben uns im Laufe der Saison immer weiter gesteigert. Unsere beiden besten Spiele haben wir uns dann für das TOP4 gegen ALBA BERLIN und den Nachwuchs von Brose Bamberg aufgehoben.“

Von Anfang an gefordert zu werden, das wird sich in der kommenden Saison wiederholen. Aufgrund des neuen NBBL-Modus und der Unterteilung in A- und B-Gruppe wird es für die ambitionierten Klubs keine leichten Spiele mehr geben. Wagner begrüßt den neuen Modus: „Sich jede Woche auf Augenhöhe mit anderen Jugendprogrammen zu messen, kann der Entwicklung unserer jungen Spieler nur förderlich sein.“

Umbruch und Verletzungssorgen

Obwohl amtierender Meister, sieht Andreas Wagner die Favoritenrolle in der kommenden Spielzeit nicht bei seinem Klub. „Ich glaube, dass Ludwigsburg und Frankfurt das Potenzial haben, um NBBL-Meister zu werden. Auch die IBAM und Breitengüßbach schätze ich stark ein.“ Generell sei die Leis-tungsdichte im Süden der Republik noch etwas dichter als im Norden. „Da sehe ich in erster Linie ALBA BERLIN, das absolutes Top-Niveau liefert.“

Die Bayern hingegen müssen einen alters- und verletzungsbedingten Umbruch moderieren. Neben den genannten Abgängen werden dem Team in den kommenden Wochen und Monaten auch weitere Leistungsträger fehlen: Lennart Weber laboriert an einer herausgesprungenen Kniescheibe und wurde gerade erst operiert. Matteo Brazzi erlitt einen Anriss im Meniskus. Noch schlimmer hat es Noah Jallow und Jeremia Agyepong erwischt: Beide kämpfen sich gerade erst wieder nach einem Kreuzbandriss heran, werden aber frühestens im nächsten Jahr zurück erwartet – wobei fraglich ist, ob einer oder beide in der kommenden Saison überhaupt zum Einsatz kommen können. Die nachrückenden Youngsters aus dem U16-Kader machen die NBBL-Bayern zu einem jungen und unerfahrenen Team der Liga. Die Junioren-Auswahlspieler Matej Rudan (Kroatien) und Sasha Grant (Italien) sowie Jason George (alle Jahrgang 2001) sind die einzig verbliebenen „Leithammel“ im Kader.
Headcoach Wagner ist gespannt, wie seine jungen Schützlinge die neuen Herausforderungen der kommenden Saison meistern werden. „Wir sind ja eng verzahnt mit unserem ProB- und Regionalliga-Team. Wir werden von Woche zu Woche entscheiden müssen, welcher Spieler wo zum Einsatz kommen wird. In allen drei Ligen kommt außerdem ein gewisser Reisestress dazu, die Fahrten zu den Auswärtsspielern werden länger. Es wird eine Saison, in der wir viel lernen werden“, vermutet Wagner schmunzelnd.

Erfahrung aus 131 Länderspielen

Der Bus-Sitz und der Platz auf der Trainerbank neben ihm ist seit dieser Saison für Steffen Hamann reserviert. Der 131-malige deutsche Nationalspieler feierte mit Bamberg und München insgesamt drei deutsche Meisterschaft und ist seit seinem Karriereende als Jugendtrainer beim FC Bayern engagiert. Nach drei Jahren als Co-Trainer und Headcoach der U14-Mannschaft der Münchener rückt Hamann nun zum NBBL-Team auf. Außerdem ist er in das Player Development-Programm des Klubs invol-viert. „Mir liegt die Arbeit mit den jungen Talenten unheimlich am Herzen. Ich bin in die Trainerrolle kontinuierlich hineingewachsen, und mir macht es riesigen Spaß. Ich bin dem Klub sehr dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat, hier als Trainer zu arbeiten“, erklärt Hamann, der inzwischen über die Trainer-A-Lizenz verfügt.

Good cop, bad cop?

Beim NBBL-Team wird er in erster Linie für das Individualtraining zuständig sein. Headcoach Wagner, mit dem Hamann 2014 die BBL-Meisterschaft feierte, überträgt seinem neuen „Co“ aber auch mehr Verantwortung. „In der Regel übernehme ich nach Absprache mit Andy die inhaltliche Gestaltung der ersten Trainingshälfte. Wenn es dann um teamtaktische Dinge geht, übernimmt er. Ich stehe dann daneben und lerne immer noch dazu“, lacht Hamann. Seine offene und herzliche Art hat den einstigen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zu einem Liebling der Bayern-Youngster gemacht. „Ich glaube schon, dass ich einen ganz guten Draht zu Kindern und Jugendlichen habe. So alt bin ich ja selber noch nicht“, schmunzelt der 37-Jährige. Hier also „Players Coach“ Hamann, dort der strenge Herr Wagner? Ganz nach dem Motto „Good cop, bad cop“? „So schlimm ist es dann doch nicht“, lacht Wagner. „Steffen hat eine tolle Art, mit den jungen Spielern umzugehen. Wir ergänzen uns hervorragend.“ Hamann stimmt zu: „Im Vordergrund sollte immer der Spaß an der Sache stehen, wir wollen schließlich keine Youngsters vergraulen. Auf der anderen Seite spielen sie in einem ambiti-onierten Jugendprogramm, und dafür muss man ihnen eine gesunde Härte und Disziplin vermitteln.“ Als ehemaligen Profi sei es ihm anfangs schwer gefallen, einzuschätzen, was man von den jungen Spielern erwarten kann und sollte. „Inzwischen habe ich da die notwendigen Erfahrungswerte.“ Was er dabei selbst vor allem lernen musste? „Geduld zu haben“, lacht Hamann. „Die Jungs sind noch keine Profis, da muss man mehr Rücksicht nehmen.“

Nach nun vier Jahren als Jugendtrainer im Programm des FC Bayern und während seiner verantwortlichen Tätigkeit für den U14-Kader und als Individual-Coach hat er viele der Jungs, die nun im JBBL-oder NBBL-Team spielen, schon unter seinen Fittichen gehabt. Unisono betonen sowohl Hamann als auch Wagner, dass im JBBL- und NBBL-Alter die individuelle Entwicklung der Talente im Vorder-grund stehe. „Als amtierende Meister in beiden Ligen gehören wir sicherlich automatisch zu den Mitfavoriten, aber darum geht es uns nicht.“ Wenn mittelfristig wieder Spieler aus dem FCBB-Programm den Sprung zu den Profis schaffen – idealerweise natürlich in den eigenen BBL-Kader – haben Wag-ner, Hamann und das ganz Trainer-Team des FCBB vieles richtig gemacht.

Spieler aus dem FCBB-Programm in aktuellen BBL-Kadern:

Mateij Rudan (FC Bayern Basketball), Jason George (FC Bayern Basketball), Sasha Grant (FC Bayern Basketball), Karim Jallow (Basketball Löwen Braunschweig), Nelson Weidemann (Brose Bamberg, auf Leihbasis), Bruno Vrcic (FRAPORT SKYLINERS), Kilian Binapfl (Telekom Baskets Bonn) und Marvin Ogunsipe (Hamburg Towers, auf Leihbasis).

PM: NBBL gGmbH / JF

06.10.2019|
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