Zugegebenermaßen ist es Anfang Januar 2020 noch etwas früh, um das Spiel des Jahres zu küren. Was das Jenaer NBBL-Team am Sonntagnachmittag gegen Meisterschaftswärter ALBA Berlin bot, dürfte sich jedoch so schnell nicht wiederholen lassen. Die als klarer Außenseiter in die Partie gestarteten Thüringer boten dem titelambitionierten Programm der Albatrossen bis in eine umkämpfte Crunchtime die Stirn, mussten sich erst in den Schlusssekunden mit 90:95 geschlagen geben. Während Jenas Aufbauspieler Vuk Radojicic mit einer Fabel-Quote aus der Distanz (12/18 Dreier) straffe 48 Punkte auf das Scoreboard brachte, lieferte Science City unter kämpferischen Gesichtspunkten eine kollektiv bärenstarke Leistung ab und stellte das Team von Gäste-Coach Vladimir Bogojevic bis zur späten Entscheidung vor Probleme.

„Es war ein sehr gutes Spiel unserer Mannschaft, die das Duell bis zum Ende offenhalten konnte. Ich habe mich für die Jungs gefreut, dass sie gegen diesen starken Kontrahenten ein so enges Spiel abgeliefert haben“, sagte Jenas NBBL-Coach Farsin Hamzei nach dem knappen Spielausgang. „Man muss aber dazu sagen, dass wir noch viele offenen Baustellen haben. Dazu gehören gleichermaßen Sequenzen in der Verteidigung als auch unser Timing in unserer Offense. Wir dürfen nach so einer Leistung gegen Berlin vor zu viel Stolz jetzt nicht blauäugig in die nächsten Spiele gehen und denken, dass jede Partie so läuft. Bereits das anstehende Duell bei den Metropol Baskets wird enorm schwer und da gilt es für die Jungs ähnlich hart und konzentriert zu arbeiten und zu kämpfen“, so Farsin Hamzei abschließend.

Bereits im Auftaktviertel hatten die Jenaer Jungs nachgewiesen, dass sie keinesfalls gewillt waren, gegen den ungeschlagenen Tabellenführer der NBBL-Staffel Nord lediglich als Sparringspartner zu fungieren. Mutig, motiviert und fokussierte lieferten die jungen Thüringer den Hauptstädtern von Beginn an ein Duell auf Augenhöhe, um sich mit einer gleichermaßen überraschenden wie verdienten 23:19-Führung in die erste Viertelpause zu verabschieden. Während das Hochgefühl das Startabschnitts zunächst anhielt, Lorenz Bank nach einem Dunk zum 37:29 (14.) die Gäste zur Auszeit zwang, ließen sich die Saalestädter auch in der Folge nur selten aus dem Rhythmus bringen. ALBA Berlin verkürzte nach einem Jenaer 40:29-Vorsprung (15.) zwar bis zum Kabinengang wieder bis auf 40:38, fand allerdings nur selten zu der souveränen Leistung des 92:52-Hinspiels-Sieges Ende Oktober 2019 in der Max-Schmeling-Halle.

Mit der knappen Halbzeitführung in das dritte Viertel startend, steigerte sich das umkämpfte Kopf-an-Kopf-Rennen noch einmal kontinuierlich und entwickelte sich zu einem der besten Auftritte eines Jenaer NBBL-Teams in den zurückliegenden Jahren. Nachdem die Saalestädter aufgrund ihrer couragierten Vorstellung mit 65:64 in Front liegend den Vorsprung bis zur letzten Pause verteidigen konnten, dabei noch zahlreiche Freiwürfe ungenutzt liegenließen, mussten die letzten zehn Minuten für die Entscheidung sorgen. Bis zur Schlussphase pendelte der Ergebniszeiger immer wieder in Richtung beider Teams. Nachdem Center Johan Walter 78 Sekunden vor Ultimo auf 88:88 ausgeglichen hatte trafen die Berliner im Gegenzug zum 88:90. Science City versuchte aus der Distanz zu antworten, verwarf jedoch den finalen und möglicherweise letzten richtungsändernden Dreier 37 Sekunden vor Spielende bevor man sich in der Restspielzeit an der Freiwurflinie geschlagen geben musste.

SCJ: Radojicic 48 Punkte, Bank 19, Walter 13, Teichert 3, Otto 3, B. Linartas 3, Mayr 1, Huster, Völcker, Deuschle