In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag startet auch Isaac Bonga mit seinen Washington Wizards in die neue NBA-Saison. Grund genug, genauer auf den jüngsten der sechs Deutschen in der stärksten Basketballliga der Welt zu blicken.

Neue Gesichter in Washington

Die Washington Wizards haben eine turbulente Off-Season hinter sich: So wurde unter anderem John Wall, eines der prägenden Gesichter der vergangenen Jahre nach Houston getradet, im Gegenzug fand der ehemalige MVP Russel Westbrook seinen Weg in die Hauptstadt. Per Draft sicherten sich die Wizards außerdem die Rechte am talentierten 19-jährigen israelischen Small Forward Deni Avdija. Nach wie vor im Kader ist neben Moritz Wagner auch Isaac Bonga (21), der trotz seines jungen Alters bereits in seine dritte NBA-Saison geht.

Wohin geht die Reise für Bonga?

Die aktuelle Saison dürfte für Bonga dabei mitbestimmend über seinen weiteren Weg in der Eliteliga sein. Nach einer unspektakulären Rookie-Saison bei den Los Angeles Lakers, in der nur wenige Einsätze zu Buche standen, folgte im Sommer 2019 der Trade nach Washington. Dass die Wizards ohne große Erwartungen in die vergangene Spielzeit gingen kam dem gebürtigen Neuwieder dabei sehr gelegen. Für viele überraschend, konnte Bonga sich den Starting-5-Spot auf der Small Forward Position sichern und insbesondere defensiv immer wieder überzeugen. 5,0 Punkte und 3,4 Rebounds standen am Ende der vergangenen Spielzeit zu Buche.

Ob Bonga die erfreuliche Entwicklung in der kommenden Spielzeit bestätigen kann scheint aktuell von mehreren Faktoren abzuhängen. Derzeit scheint es fraglich, ob er erneut regelmäßig in der ersten Fünf zum Einsatz kommt. In zwei der insgesamt drei Vorbereitungsspielen musste er Avdija den Vortritt gewähren. Zwar ist das Rennen um den Spot laut Trainer Scott Brooks noch nicht entschieden, nach den aktuellen Eindrücken scheint jedoch der Israeli vorerst die Nase vorn zu haben. Relevant für Bonga dürfte dabei vor sein Dreipunktewurf werden. Im Vergleich zu seiner Rookie-Saison (0 von 9 in der gesamten Runde) war in der vergangenen Spielzeit bereits ein Anstieg zu beobachten. Eine Quote von 35,2% bei lediglich 1,1 Versuchen pro Partie sind jedoch nach wie vor ausbaufähig. Da sich in der kommenden Saison durch die Penetrations von Westbrook und Bradley Beal auch immer wieder offene Würfe von außen ergeben dürften, ist hier zweifelsfrei der nächste Schritt gefragt. In den Vorbereitungsspielen war mit zwei Treffern bei insgesamt sieben Versuchen noch keine wirkliche Verbesserung zu erkennen, wobei sich ein Trend für die Saison aus drei Spielen (eins mit lediglich sieben Minuten Einsatzzeit) nur sehr schwer ablesen lässt.

NBBL/JBBL-Karriere in Trier, Koblenz und Frankfurt

Der Name Isaac Bonga ist den Basketball-Experten in Deutschland schon seit vielen Jahren ein Begriff. Bereits in jungen Jahren in den Nachwuchsmannschaften der EPG Baskets Koblenz fiel die überdurchschnittliche Athletik gepaart mit seinem Ballhandling und seiner Spielübersicht auf. Mit einer Doppellizenz folgten in der Saison 2012/13 im Alter von gerade einmal zwölf Jahren die ersten Einsätze in der Trierer JBBL-Mannschaft. In der folgenden Saison ging es zurück nach Koblenz, die in der Zwischenzeit selber die Relegation für die JBBL geschafft hatten. Als Spieler des zweitältesten Jahrgangs war Bonga mit durchschnittlich 16,6 Punkten und 6,8 Rebounds der herausragende Spieler seiner Teams. Dieser Werte konnte er in der kommenden Spielzeit weiter steigern: 24,1 Punkte, 13,5 Rebounds und sieben Assists, so die beeindruckende Statline in Bongas finaler JBBL-Saison.

Mit dem Sprung in die NBBL folgte auch der Wechsel nach Frankfurt. Während er zu Beginn mit einer Doppellizenz weiterhin für die erste Mannschaft der EPG Baskets auflief, machte Bonga seine ersten Schritte auf dem NBBL-Parkett also in der Bankenmetropole. Nach einer ersten Spielzeit ohne Anpassungsprobleme (15,9 Punkte und 7,9 Rebounds als junger Jahrgang) folgte auch der endgültige Schritt nach Hessen. Dabei lief die Entwicklung des Ausnahmetalentes derart rasant, dass er nur noch vereinzelt in der NBBL eingesetzt wurde. Stattdessen folgten bereits im Alter von 16 Jahren regelmäßige Einsätze in der Bundesligamannschaft der FRAPORT SKYLINERS. Bereits in seiner zweiten Saison in der höchsten deutschen Spielklasse zeigte sich Bonga für 6 Punkte und 3,1 Rebounds verantwortlich: Empfehlung genug für die Los Angeles Lakers, die sich Bonga beim folgenden Draft mit dem 39. Pick sicherten.

Zweimal Bonga für Deutschland?

Auch Isaacs Bruder Joshua prognostizieren viele Experten eine erfolgreiche Karriere. Wie sein älterer Bruder, sammelt auch Joshua NBBL-Erfahrung bei den Eintracht Frankfurt /FRAPORT SKYLINERS). Mit 16,5 Punkten pro Partie konnte er als Spieler des jüngsten Jahrgangs voll und ganz überzeugen, sodass er in der jüngsten Saison zum Rookie des Jahres gewählt wurde. Parallel dazu wurde Joshua Bonga ebenfalls als Verteidiger des Jahres ausgezeichnet. Aktuell sammelt er Erfahrung in der Pro B-Mannschaft der Skyliners.

Das Talent seines jungen Bruders bleibt auch Isaac nicht verborgen. So berichtete er im Interview mit DBB-TV, dass er seinem Bruder versucht zu helfen, wo es nur geht: „Wir schreiben die ganze Zeit und ich unterstütze den Kleinen auch durch Tipps.“ Sein großer Traum ist dabei in Zukunft gemeinsam mit Joshua für die Nationalmannschaft aufzulaufen: „Zwei Bongas in einem Team, das wäre schon klasse.“