Nachwuchs und Jugend Basketball Bundesliga

Felix Czerny im Interview: “Natürlich wollen wir ins TOP4”

In Bamberg hat’s gekracht: Nach einer enttäuschenden Saison für den Deutschen Meister von 2017 wurde bei Brose Bamberg der „Reset-Knopf“ (Zitat Michael Stoschek) gedrückt. Man wolle nun auf junge, hungrige Spieler setzen. Dass die natürlich idealerweise aus dem eigenen Haus, und damit auch aus der eigenen NBBL-Mannschaft kommen sollen, ist klar. Wir haben mit den Verantwortlichen gesprochen, Yassin Idbihi und Felix Czerny, deren Arbeit nun noch mehr im Mittelpunkt steht.

Felix Czerny hat bereits vier NBBL-Meisterschaften gesammelt. Nach seiner titelreichen Zeit in Urspring war er für den FC Bayern Basketball und die MHP Riesen Ludwigsburg tätig. Seit diesem Sommer arbeitet er im Bamberger Programm und betreut zusammen mit Mario Dugandzic das ProA-Team der Baunach Young Pikes und die NBBL-Mannschaft des TSV Tröster Breitengüßbach. Im Interview verrät er, welche NBBL-Spieler Bundesligaluft schnuppern werden, erklärt seine Philosophie und macht kein Geheimnis daraus, dass der TSV Tröster Breitengüßbach im Rennen um die NBBL-Meisterschaft wieder ein Wörtchen mitreden will.

Felix, du bist im Sommer aus Ludwigsburg nach Bamberg gewechselt, was war ausschlaggebend für die Entscheidung?

Eine neue Herausforderung, das war der ausschlaggebende Punkt. Ich habe hier die Möglichkeit, junge Spieler auf einem hohen Niveau zu entwickeln. Wir haben das Glück in der ProA an den Start zu gehen. Diese Herausforderung hat mich extrem gereizt, das war etwas, was ich immer schon als für mich nächsten logischen Schritt gesehen habe. Jetzt hat sich diese Möglichkeit ergeben.

Bamberg ist der absolute Topclub der letzten Jahre, ausgerechnet in diesem Sommer wird der Etat deutlich gesenkt, die Ziele leicht zurückgeschraubt. Wie erlebst du die neue Ausrichtung des Clubs?

Die Zeiten, die die Menschen, Mitarbeiter und Organisation hier erlebt haben, waren natürlich sensationell. Daran anzuknüpfen und diesen Erwartungen, die daraus entstanden sind, die ganze Zeit gerecht zu werden, ist nahezu unmöglich. Jetzt hat man sich dazu entschieden, einen anderen Weg zu gehen.
Für mich es super, weil es in diesem Umdenken darum geht, dass Leute, die hier ausgebildet werden, tatsächlich in den Profikader integriert werden sollen. Und das ist ja das, was auch mein Ziel ist mit der Arbeit, die ich mache. Also ich finde es super.

Bamberg verfügt ja weiterhin über sehr gute finanzielle Möglichkeiten im Nachwuchsbereich; wie sind die Rahmenbedingungen im Umfeld aus deiner Sicht?

Das Umfeld ist wunderschön, hier ist alles überschaubar, ich fühle mich hier sehr wohl. Und ich nehme es so wahr, dass du, wenn du Basketballspieler werden möchtest, hier alles hast, was du brauchst. Du hast super Hallen, die alle mit Parkettboden ausgestattet sind, wir haben einen guten Staff, wir haben Athletiktrainer, Spielplattformen in der ProA, in der NBBL, in der Regionalliga. Die Spieler, die hier hinkommen, können sich darüber freuen, dass sie alles haben, was sie benötigen. Noch dazu ein Internat, das top betreut ist, mit angeschlossener Halle, die sie benutzen können, wann sie möchten. Vor allem abends und morgens. Also wenn du wirklich ein Werfer sein möchtest, dann kannst du da deine 700 Würfe täglich nehmen. Das ist natürlich eine coole Geschichte.

In der beginnenden Saison seid ihr der einzige Club, der ein ProA-Team als Ausbildungsmannschaft hat. Können sich andere Club mit diesen Bedingungen vergleichen?

Die Ulmer waren im letzten Jahr auch in der ProA, haben mit einer Mannschaft gespielt, die älter war als die, mit der wir jetzt an den Start gehen. Und sie sind damit abgestiegen. Damit ist auch klar, dass das, was wir hier jetzt machen, nicht normal ist, und man nicht davon ausgehen kann, dass wir um die Playoffs mitspielen. Es geht darum, dass sich Spieler entwickeln, und dass sie dafür eine Plattform haben.
Da kommen wir jetzt zu Ergebnissen: Wir wollen diese Plattform erhalten, weil wir der Meinung sind, dass wir die Prospects, die wir haben, auf diesem Level weiterbringen. Denn der Schritt von der ProB in die Bundesliga ist sehr groß, auch wenn andere schon gezeigt haben, dass das auch geht. Wir können eine bessere Competition bieten, damit setzen wir uns auf jeden Fall ab.

Als Headcoach des ProA-Teams und Co-Trainer des NBBL-Teams hast du keine ganz unbedeutende Rolle im Nachwuchsprogramm. Welche Dinge bringst du mit und was wirst du anders machen? Wie ist deine persönliche Philosophie?

Ich bringe Erfahrung mit. Ich habe in diesem Bereich gearbeitet seit ich 21 bin Ich bin es gewohnt mit so jungen, talentierten Menschen zu arbeiten. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß und motiviert mich.
Was die Philosophie angeht, ist mir wichtig, dass die Spieler auch als Menschen behandelt werden und dass wir versuchen werden, sie auch als Menschen weiterzuentwickeln. Das klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber mir ist wichtig, dass man miteinander spricht, dass man, wenn man als Mannschaft unterwegs ist, die Handys nicht dabei hat, sondern wir etwas zusammen unternehmen und versuchen, zu wachsen und miteinander zu sprechen. Und wir machen immer wieder auch Sachen, die den Basketball-Horizont übersteigen, weil es mich einfach interessiert, wie die Leute sich artikulieren können, wie sie sich zeigen, wenn sie vor einer Gruppe stehen. Sowas ist sehr wichtig.

Im letzten Jahr gab es für Breitengüßbach ein frühes Aus in den NBBL-Playoffs. Gibt es ein Saisonziel in diesem Jahr in der NBBL, oder steht die Spielerentwicklung im Vordergrund?

Wenn wir sagen, dass wir Spieler entwickeln wollen, dann gehört dazu auch, dass man versteht, was es heißt, ein Profispieler zu sein. Profispieler werden daran gemessen, welche Leistung sie bringen. Profispieler müssen liefern, sie müssen etwas auf ihr Papier bringen, damit sie den nächsten Job bekommen. Das ist auch ein Teil der Entwicklung, die sie nehmen müssen vom Jugendbasketball hin zum Profibasketball. Da wird natürlich eine gewisse Ergebnisorientierung verlangt und auch das Mindset, dass du etwas liefern musst.
Wenn wir mit all den Spielern, die in der NBBL spielen können, da auch spielen, und wir sagen, wir wollen eine Runde weiterkommen als letztes Jahr, dann machen wir uns lächerlich. Natürlich wollen wir dann ins TOP4. Und – wer fährt schon zum TOP4 und will es nicht gewinnen?

Zusammen mit Mario Dugandzic trainierst du sowohl das ProA- als auch das NBBL-Team. Werden viele NBBL-Spieler schon Erfahrung im Zweitligakader sammeln? Und wie viele schaffen es in den BBL-Kader?

In der Preseason haben mit Henri Drell und Kay Bruhnke zwei NBBL-Spieler komplett die Vorbereitung der Profis mitgemacht. Sie werden im Laufe der Saison immer mal wieder dazu genommen, aber nicht so regelmäßig wie jetzt, da die Mannschaft Champions League spielt und viel auf Reisen ist. Also gab es auf jeden Fall Überschneidungen; wie es in der Saison aussehen wird, hängt auch davon ab, ob es Verletzungen in der ersten Mannschaft gibt.
Bei ProA- und NBBL-Team sind die Überschneidungen sehr groß; so wie es jetzt aussieht werden wir am Samstag in Hamburg mit sieben NBBL-Spielern im ProA-Kader antreten und lediglich vier Spielern, die älter sind.

Wie eng ist die Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ainars Bagatskis, dem neuen Headcoach von Brose Bamberg?

Sehr eng, das muss sie auch sein. Es geht darum, dass die Spieler an seinen Kader herangeführt werden müssen. Es geht täglich darum, was passiert im Training, welche Spieler werden bewegt, nach oben oder nach unten, wen braucht er. Der Austausch funktioniert gut, sehr angenehm.

Wer sind die nächsten Talente, denen du den Sprung nach ganz oben zutraust?

Neben denen, die jetzt schon mit im Profikader stehen, kann ich noch Elias Baggette nennen, der seit diesem Sommer in Bamberg ist. Er ist ein Aufbauspieler, der „Game“ hat. Er kann zocken und versteht das Spiel. Er ist athletisch noch lange nicht an seinem Limit, hat auch technische Defizite und ist trotzdem schon in der Lage, auch gegen viel ältere Spieler zu bestehen. Das ist auf der Position extrem schwierig. Auf ihn bin ich sehr gespannt in dieser Saison. Ansonsten haben wir eine Reihe von guten Jungs, aber Henri und Kay sind die, die vorne weg marschieren.

Du warst von Anfang an in der NBBL dabei, sogar sehr erfolgreich. Wie siehst du die Entwicklung der Liga und ihre Bedeutung im deutschen Basketball?

Ich war ja auch vor der NBBL schon dabei, als es noch C-, B- und A-Jugend, Südwestdeutsche, Süddeutsche und Deutsche Meisterschaften gab und wir in der Jugendoberliga gespielt haben. Der Sprung von dort zu der Liga, die jetzt existiert, mit Scouting, Videoplattform und internationalen Hochkarätern, die in die Liga kommen, spricht für sich selbst. Die Ergebnisse der Nationalmannschaften sprechen für sich selbst. Die Entwicklung ist positiv.
Der letzte Baustein, der noch fehlt, ist – und da bin ich jetzt selbst in einer Position, in der ich das mitgestalten kann –, dass der Übergang noch besser funktioniert. Dass Spieler noch früher die Chance bekommen, sich gegen Männer zu messen, oder noch früher so gut sind, dass sie sich da messen können.

Du warst bereits viermal NBBL-Meister. Was muss man tun, um die Liga zu gewinnen?

Wir hatten damals in Urspring einfach ein besonderes Setup. Diese Nähe, dieser Zusammenhalt, diese Einheit, die wir waren. Das war etwas Besonderes und hat uns abgesetzt. Dazu kam noch eine Mischung aus Talent und viel harter Arbeit.

Du hast jetzt noch die Gelegenheit für ein Schlusswort zum Bamberger Nachwuchsprogramm.

Ich würde ergänzen wollen, dass an diesem Standort viel Basketballtradition und -begeisterung herrscht. Ich glaube, wenn alle Menschen vor Ort in eine Richtung zusammenarbeiten würden, dass hier noch mehr entstehen könnte, als es eh schon gibt.

23.09.2018|
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