Die NBBL- und JBBL-Saison ist aufgrund der Corona-Virus – wie in vielen anderen professionellen Ligen – vorzeitig beendet worden. Während die Spieler bemüht sind, sich individuell fit zu halten, ist den Trainern im U19- und U16-Bereich von einem Tag auf den anderen ihre tägliche Arbeit genommen worden. Wir haben bei einigen Coaches aus NBBL und JBBL nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen – und nicht zuletzt, ob die Existenz ihrer Vereine und ihre persönliche als Basketballtrainer auf dem Spiel steht. Diesmal haben wir mit Chris Schreiber, NBBL-Coach bei der Mitteldeutschen Basketball Academy gesprochen.

Wie war es für Dich und Dein Team, dass die Saison abgebrochen wurde?

Erstmal war es überraschend, wie wahrscheinlich für alle. Wir waren mitten in der Abstiegsrunde, auf einem guten Weg, die Klasse zu halten. Die anstehenden 2-3 Spiele wären der Höhepunkt der Saison gewesen aber die Gesundheit geht natürlich vor.

Die Hallen sind geschlossen, nirgendwo wird Basketball gespielt. Womit verbringst Du jetzt deine Tage?

Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo wir sonst einen Monat später stehen würden, nämlich in der Offseason. Dinge, die auch sonst laufen würden, laufen jetzt. Natürlich immer in abwartender Form, weil man nicht weiß was passiert. Ich nutze die Zeit viel, es gibt diverse Webinare, die ich mir ansehe, aber auch Workouts. Darüber hinaus steht auch Kaderplanung und Gespräche mit Spielern an.

Ich kommuniziere auch viel mit anderen Standorten und Trainer, einige kenne ich ja über die Trainerausbildung. Da gibt es sehr viel Austausch und man empfiehlt sich Videos und Ähnliches. Es ist schön, dass es da keinen Konkurrenzkampf gibt wie sonst. Die Situation schweißt alle zusammen, es ist schön, dass da alle solidarisch sind.

Die Spieler müssen sich weiter fit halten; wie sorgt Ihr dafür und wie haltet Ihr Kontakt zu euren Jungs?

Wir geben den Jungs Aufgaben, so wie es alle machen im Moment, machen Challenges und so. Wir treffen uns in Videokonferenzen und versuchen einfach die Möglichkeiten zu nutzen, die es gerade gibt.

Wie ist die Situation in Eurem Verein, herrscht viel Unsicherheit oder kann alles wie geplant weitergehen?

Der MBC ist natürlich hart getroffen als kleiner Standort mit einem der kleinsten Budgets in der BBL. Deshalb gab es ja dass Crowdfunding, das auch erfolgreich lief. 85.000 Euro haben die Profis gebraucht, der Überschuss (über 10.000 Euro) geht an den Nachwuchs.
Wir planen die kommende Saison, ich bin frohen Mutes, dass wir wieder Normalität bekommen werden irgendwann.

Welche finanziellen Auswirkungen hat der Shutdown auf Dich als Trainer? Bist Du fest angestellt oder arbeitest Du auf Honorarbasis?

Ich habe hier vor zwei Jahren einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Ein Jahr bin ich also noch hier, im Moment aber in Kurzarbeit. Mein Alltag hat sich jetzt total geändert, ich bin sonst viel in der Halle, jetzt arbeite ich vom Schreibtisch aus. Das ist schön mal diese Erfahrung zu machen, aber mir fehlt die soziale Komponente schon. Ich sehe die Spieler sonst öfter als meine Familie, deshalb freue ich mich schon, wenn wir dem Basketball wieder im echten Leben nachgehen können und uns nicht nur online treffen.
Grundsätzlich bin ich ganz gut beschäftigt, die Planungen in der Offseason laufen ja und es gibt noch einige Projekte mit dem Verband, bei denen ich involviert bin.

Dein persönlicher Tipp für die Freizeitgestaltung in Corona-Zeiten? 

Was ich für mich entdeckt habe ist das Fahrradfahren. Ich habe mir vor zwei Wochen ein Fahrrad besorgt, das ist gut, um an die frische Luft zu kommen und nicht nur in den eigenen vier Wänden zu sein. So ist man beschäftigt und sieht andere Leute, auch wenn man natürlich nur aus der Entfernung grüßen kann.

Gibt es etwas, was Dir durch die Corona-Krise besonders bewusst geworden ist?

Ja, zwei Punkte: Zum einen ist es die Gesundheit. Das hat man oft nicht vor Augen und jetzt merkt man nochmal, wie wichtig das ist. Die zweite Sache ist, was für ein hohes Gut es ist, dass wir unseren Sport in der Art und Weise, in dem Umfang und mit den Möglichkeiten ausüben können. Das ist ein hohes Gut, das natürlich grade schmerzlich vermisst wird.
Ich hoffe, dass einige nach der Krise das bewusster wahrnehmen, die Arbeit engagierter absolvieren, es zu schätzen wissen, wieder in die Halle zu dürfen. Ob das passieren wird, ist eine Zukunftsfrage, die ich mir schon gestellt habe.

Irgendwann wird es den Tag eins geben, an dem die Normalität zurückkehrt. Was wirst Du als erstes machen?

In eine Basketballhalle gehen. Da gibt’s keine zwei Überlegungen.

Vielen Dank!