Das Thema Agenten gewinnt auch für Nachwuchsspieler immer mehr an Bedeutung. Mit Jugendbundestrainer Patrick Femerling haben wir darüber gesprochen, was junge Spieler wissen müssen, wenn sie vor der Entscheidung stehen, einen Vertrag mit einem Spielerberater zu unterzeichnen.

Basketball ist ein Business

Basketball ist ein Business. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass sich das auch immer mehr im Nachwuchsbasketball bemerkbar macht. Die Professionalisierung der NBBL und JBBL, die Investitionen der Clubs und damit die immer bessere Ausbildung deutscher Spieler wecken Begehrlichkeiten. Spieler wechseln Clubs, bevor sie volljährig werden, immer mehr Geld ist im System. Da ist es nur logisch, dass auch Spielerberater vermehrt im Jugendbereich tätig werden.
Das merken auch die Sportler: Immer häufiger, immer früher kommen die Anfragen der Agenten rein. Die Agenturen sind präsent, und klar ist: Früher oder später braucht wohl jeder Profi einen Agenten, der das Geschäft kennt, Jobs besorgt und die organisatorischen Dinge mit den Clubs regelt. Nicht zu verachten: Agenten wissen, wie man ein angemessenes Gehalt verhandelt.

Offene Fragen

Dabei bleiben aber noch viele Fragen offen. Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Agenten? Wie sucht man den „Richtigen“ aus? Und was muss man noch wissen, bevor man als junger Spieler einen so wichtigen Vertrag unterzeichnet?

Einer, der sich auskennt, ist Patrick Femerling: Als Spieler hat er für die besten Clubs Europas gespielt; ALBA BERLIN, der FC Barcelona und die griechischen Top-Clubs Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus konnten sich seiner Dienste erfreuen.
Mit dem FC Barcelona hat er sogar unter Coach Svetislav Pesic den Titel in der Euroleague geholt. Auch mit der Nationalmannschaft lief es bestens: Keiner hat mehr Länderspiele für Deutschland gemacht als Femerling.

Heute arbeitet er beim Deutschen Basketball Bund als Bundestrainer im Jugendbereich, zusätzlich assistiert er Henrik Rödl bei der A-Nationalmannschaft. Damit gehört es also zu seinem Alltag, regelmäßig mit den Spielern in Kontakt zu stehen, die von den Agenten am meisten umworben werden.

Auch er sieht Redebedarf bei diesem Thema: „Es ist auf jeden Fall eine Entwicklung der letzten Jahre, dass immer jüngere Spieler kontaktiert werden. Das muss man auch ansprechen. Wir sehen uns beim DBB in der Verantwortung, dadurch dass wir ja nicht der Arbeitgeber der Spieler sein werden, sondern Hilfestellung als Externe geben können. Bei dem Thema gibt es oft Missverständnisse. Ich versuche da zu helfen, mit meiner eigenen Meinung und der Erfahrung, die ich gemacht habe. Mit etwas mehr Abstand sieht man die Dinge anders. Das können wir den jungen Spielern mitgeben.“

Ab wann sollte man einen Agenten haben?

„Der Markt ist mittlerweile so aufgebaut, dass die Spieler von Agenten angepriesen und vermarktet werden, da gehört das ab irgendeinem Punkt dazu. Es ist natürlich auch eine Frage von Talent. Grundsätzlich ist es ja auch nichts Schlimmes, einen Agenten zu haben, oder jemanden, der einen berät“, erklärt Femerling.
Gleichzeitig gilt auch: „Viele Spieler brauchen in ganz jungen Jahren keine Agenten. Sie brauchen viel eher eine ruhige Situation, in der sie kontinuierlich trainieren und etwas investieren, auch wenn es mal nicht so läuft. Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles sofort da sein muss und sofort verfügbar ist. Da muss man sich auf ein bisschen Ruhe besinnen und auf eine Situation einlassen, und all die Verpflichtungen zu erfüllen, die man als junger Mensch mit Basketball und Schule hat.
Manche Spieler wechseln zwei- oder dreimal den Verein und werden dann erst 18. Das kann völlig okay sein, es kann auch gute Gründe dafür geben. Aber für eine kontinuierliche Idee für die Entwicklung eines Spielers, die es in Deutschland mittlerweile an vielen Standorten gibt, ist es nicht so wichtig, jemanden zu haben, der einen repräsentiert.“

Dass man nicht unbedingt mit 18 oder früher einen Agenten braucht, zeigt auch Femerlings eigener Werdegang. Er hat erst mit 24, als er längst Profi bei ALBA BERLIN war, die Dienste eines Beraters in Ansprung genommen. „Bei mir war das relativ naiv“, beschreibt er seine damalige Entscheidung. „Das war Henrik Rödls Agent, und der wollte mich auch kennenlernen, ist aus den USA nach Berlin gekommen. Wir haben uns getroffen und ich fand gut, was er gesagt hat. Er hatte sehr gute Kontakte und hat mir gute Jobs besorgt. Aber mir war immer klar, dass ich derjenige bin, der den Job behalten und den nächsten Job erarbeiten muss.“

Was muss beachtet werden?

Femerling: „Das Verhältnis zwischen Spieler und Agent ist eine Geschäftsbeziehung. Das kann über die Jahre mehr werden, aber erstmal ist es das. Man sollte sich im Klaren sein, dass Agent ein Job ist. Es ist was anderes als der Jugendtrainer, der dich zehn Jahre trainiert hat und dich dann vom kleinen zum großen Verein gehen lässt, weil er das Beste für dich will.
Es ist eine Beziehung, die auf beidseitigem Erfolg begründet sein soll. Wenn der Agent nur seine zehn Prozent haben will, ist das schlecht; und wenn der Spieler meint, mit einem Agenten kann man sich zurücklehnen, ist das auch schlecht. Beide müssen eine Idee, einen Plan entwerfen, um den Sportler so gut zu machen, wie es geht.
Wenn man einen Agenten hat, hat man immer noch den Haupteinfluss darauf, was passiert. Arbeite ich hart genug, trainiere ich hart genug, ist meine Einstellung gut genug? Es ist immer leichter, Profi zu werden, als Profi zu bleiben. Wenn der Spieler nicht weiter trainiert und arbeitet, ist es egal, wer der Agent ist.
Die Gefahr ist, dass die Erwartungshaltung hoch ist, wenn man einen Agenten hat. Dass dann alles sofort passiert und alles toll ist. Aber so funktioniert das nicht. Es erleichtert die Arbeit, weil man nicht selbst verhandeln muss. Aber es birgt die Gefahr, dass man sich ausruht. Wenn man keinen Job bekommt, liegt das nicht unbedingt am Agenten.“

Wichtige Entscheidung – aber nicht für immer

„Wer der Richtige ist, ist für junge Spieler sehr schwierig zu beantworten, weil sie ja wenig Lebens- und Basketballerfahrung haben. Da muss man mal mit älteren Spielern reden, mit Trainern, einfach mit Leuten, bei denen man weiß, dass sie einem wohlgesonnen sind.
Wir Bundestrainer sind immer ansprechbar für das Thema, wir helfen gerne beratend, wenn das gewünscht ist. Man sollte so viele Informationen wie möglich sammeln und dann eine Entscheidung fällen.
Interessant ist, dass vielen Spielern gar nicht klar ist, dass sie den Agenten wechseln können. Ein paar junge Spieler haben mich um Rat gefragt, denen habe ich erstmal gesagt, dass das kein Vertrag fürs Leben ist. Wenn Ihr was ändern wollt, könnt Ihr was ändern.“

Über gute und schlechte Agenten

„Nur weil man einen Ball in der Hand hat, ist man kein guter Spieler. Und nur weil man Agent ist, ist man kein guter“, fasst der Rekordnationalspieler zusammen. „Es gibt sehr gute, sehr integre. Sowohl große als auch kleine Agenturen. Aber es gibt auch welche, da geht’s um den Euro. Und wenn der Euro rollt, ist alles gut. Aber wenn das Geld nicht so reinkommt, wie man sich das vorgestellt hat, oder wenn es Probleme gibt, rutscht man ans Ende der Liste, die abgearbeitet wird, das ist dann ein Problem. Man ist aber nicht gleich ein schlechter Agent, weil man einen bestimmten Deal nicht machen kann. Der Spieler hat da schon eine große Verantwortung.“

Ein Problem, das für die Spielervermittler besteht, ist ihre Doppelrolle: Sie haben einen Vertrag mit den Spielern, müssen aber auch mit den Clubs ein gutes Verhältnis haben, schließlich wollen sie langfristig immer wieder Spieler an die Vereine vermitteln. Das führt zu Schwierigkeiten.
Femerling beschreibt es so: „Irgendwann musst du jemandem erzählen, was er hören will, und nicht das, was eigentlich Sache ist. Das musst du früher oder später machen, da kannst du so aufrecht sein, wie du willst. Je mehr Spieler man vertritt, desto schwieriger ist es. Wenn du zwei Spieler hast mit einem ähnlichen Skillset, wer kriegt dann den Job? Was sagst du dann zu den anderen Spielern?
Die Beziehung zu den Vereinen, mit denen man sich gut stellen will, weil man den nächsten Spieler vermitteln will, bringt den Agenten in eine schwierige Situation. Das ist das Problem an dem Job.“

Hintergrund: Wie wird man eigentlich Agent?

Kann das jeder machen? Theoretisch ist das möglich: Eine Berufsausbildung gibt es nicht, auch eine Prüfung ist nicht zwingend erforderlich.
Ganz so einfach ist es aber nicht: Wer als Agent arbeiten möchte, sollte sich von der FIBA lizenzieren lassen. Dabei erkennt man wichtige Regularien an, auch muss man eine Prüfung bestehen und jährliche Gebühren zahlen.
Wie so oft gelten für die NBA eigene Regeln: Um einen Spieler in Nordamerika zu platzieren (wo sich für Spieler und Agent natürlich besonders große Verdienstmöglichkeiten auftun) ist eine spezielle NBA-Lizenz notwendig.
Wichtig ist aber auch: Wer nicht selbst schon lange „im System“ ist und in der Basketballwelt bestens vernetzt ist, wird es natürlich schwierig haben. Schließlich legen Spieler und Clubs genau darauf großen Wert.

PM: NBBL gGmbH / DN