Nun hat sich der Europameister von 1993 für einen neuen Weg entschieden: In den kommenden drei Jahren zeichnet Rödl als Headcoach des Beko BBL-Teams TBB Trier verantwortlich. Damit übernimmt der gebürtige Offenbacher zum zweiten Mal eine Mannschaft in der 1. Liga; von Januar 2005 bis Juni 2007 trainierte er ALBA Berlin und gewann 2006 den deutschen Pokal.
Ab 2007 wechselte er in die Jugendabteilung der Berliner und war maßgeblich an der Neustrukturierung des ALBA-Jugendprogramms beteiligt. „Nebenbei“ coachte er das Flagschiff, das NBBL-Team der „Albatrosse“. „Die Arbeit mit den Jugendlichen hat mir einen Riesenspaß gemacht. Es war für mich eine extrem wertvolle Zeit, in der ich viel gelernt habe“, sagt Rödl. Was er gelernt hat, will er nun auch in Trier im Seniorenbereich anwenden: „Wer NBBL-Spiele von mir gesehen hat, weiß, dass meine Teams attraktiven Teambasketball mit extrem viel Einsatz spielen. Natürlich wird das im Detail davon abhängen, welche Spieler wir für unser Programm in Trier begeistern können – das muss man abwarten. Aber wir werden sicher defensiv orientiert spielen und den Teamgeist in den Vordergrund stellen."
Teamgeist – das war und ist der Schlüssel für Rödl. Schon als Spieler war dies das Wichtigste für den Point Guard, der unter Svetislav Pesic im zarten Alter von 17 Jahren – und, nebenbei, als Drittliga-Spieler – in der Deutschen Nationalmannschaft debütierte. Es folgten 177 weitere Länderspiele und elf Jahre im Trikot von ALBA Berlin, etliche davon als Kapitän. „Mr. ALBA“ an anderer Wirkungsstätte? Eigentlich unvorstellbar. Aber: „Die Zukunftsvorstellungen der Trierer decken sich zum sehr großen Teil mit meinem Profil: eine nachhaltige Spielerentwicklung über einen längeren Zeitraum, eine gründliche Aufbauphase, ein Nachwuchskonzept. Das hat mich natürlich gereizt, weil es eine tolle Möglichkeit ist, an einem der besten Basketball-Standorte Deutschlands zu arbeiten und hier meine Vorstellungen und Erfahrungen aus 17 Jahren ALBA Berlin einzubringen“, erklärt Rödl seinen Wechsel von der Spree an die Mosel.
In der Nachwuchs Basketball Bundesliga waren es neben dem dreimaligen Champ Urspring (übrigens Kooperationspartner von ALBA) die Berliner, die unter der Fittiche von Henrik Rödl Maßstäbe gesetzt haben. 2008 verloren sie beim TOP4 in Langen das Endspiel gegen Urspring, um danach 39 Spiele in Folge unbesiegt zu bleiben! Eine unglaubliche Serie, die erst im Mai diesen Jahres riss – erneut gegen Urspring. Ausgerechnet im diesjährigen Endspiel in Bamberg konnten die „Albatrosse“ nicht ihren besten Basketball abrufen. „Natürlich waren wir enttäuscht, weil wir nach Bamberg gefahren sind, um wieder Meister zu werden. Im Rückblick ist das aber nur eine Momentaufnahme; was im Gedächtnis bleiben sollte, sind unser Meistertitel von 2009 und die stolze Serie von so vielen Siegen – das habe ich auch meinen Jungs gesagt“, erklärt Rödl. „Seine Jungs“ wird der 41-Jährige wohl am meisten vermissen. „In den drei Jahren waren viele tolle Spieler mit außergewöhnlichem Charakter dabei. Mir hat die Zeit mit ihnen sehr viel gegeben.“
Wer heute mit Rödl spricht, der merkt: Im Herzen wird er immer ein „Albatros“ bleiben. „Das ist, denke ich, auch ganz normal. Immerhin habe ich 17 Jahre für diesen Club gespielt und trainiert.“ Seine besondere Leidenschaft galt dabei immer der Jugend. „Es ist schön zu sehen, wie sich Spieler entwickeln und sie auf diesem Weg zu begleiten. Außerdem halte ich das Konzept von ALBA, das von Henning (Harnisch, Anm. d. Red.) initiiert wurde, für einzigartig in ganz Deutschland. Es kombiniert Schule, Sport und Basketball auf Leistungsniveau in vorher nie dagewesener Weise.“
Mit Rödl verabschiedet sich auch der zweimalige „Trainer des Jahres“ (2009 und 2010) aus der NBBL. Haben solche individuellen Auszeichnungen überhaupt eine Bedeutung für einen Teamplayer wie ihn? Die Antwort ist typisch für die Denke des Europameisters von 1993: „Natürlich hat das eine Bedeutung für mich. Die Auszeichnungen stehen dafür, dass meine Mannschaft Großes geleistet hat. Ohne sie hätte ich diese nicht bekommen.“
Auch wenn Henrik Rödl nun zurück zu den Senioren wechselt: „Meine Leidenschaft für die Jugendarbeit werde ich immer bewahren!“
(NBBL / JF)