Lernen von alten Hasen – Trainer in der NBBL

Wenn man die Erfahrung auf den Trainerbänken in NBBL und JBBL einmal zusammenzählen würde, käme man ohne weiteres auf mehrere hundert Länderspiele, unzählige Erstliga-Partien und einige Deutsche Meisterschaften. Zahlreiche ehemalige Basketball-Profis haben sich entschieden, ihren jahrelangen Erfahrungsschatz, den sie auf nationaler und internationaler Ebene gesammelt haben, mit dem deutschen Nachwuchs zu teilen und engagieren sich als Jugendtrainer bei Spitzen-Klubs wie ALBA BERLIN oder dem FC Bayern München. Wir stellen einige vor.

Patrick Femerling bringt es auf den Punkt. „Jugendtrainer muss ein Jobprofil sein, das gesellschaftlich anerkannt ist.“ Der deutsche Rekord-Nationalspieler hat sich nach seiner aktiven Karriere als Trainer der Jugendarbeit verschrieben – wie so viele andere Ex-Profis auch. Florian Hartenstein in Quakenbrück, Demond Greene in München, Hansi Gnad in Leverkusen, Matthias Grothe in Hagen: Die Liste derer, die früher auf dem Parkett ihr Geld verdient haben und nun ihren Erfahrungsschatz an die nächsten Generationen weitergeben, ließe sich beliebig fortsetzen. Alle eint der Wunsch, dem Sport, der sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind, etwas zurückzugeben.

An sieben Tagen in der Woche sein Herzblut geben

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Patrick Femerling kümmert sich heute um den Nachwuchs von ALBA BERLIN. Foto: Getty Images

Dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung meist als pures Hobby abgetan wird, stört dabei nicht nur Femerling, wie er gegenüber dem Online-Portal basketball.de erklärte: „Wenn ich jemandem sage, dass ich Trainer bin, kommt als Gegenfrage zurück: Und als was arbeitest du?“ Dass man als Trainer sieben Tage in der Woche in der Halle steht, 200 Stunden im Monat arbeitet, durchs ganze Land fährt und sein Herzblut gibt“, würden viele nicht sehen. Femerling hat sich trotzdem der Jugendarbeit verschrieben und lernt diese bei ALBA BERLIN von der Pike auf. Aktuell ist er Headcoach des Regionalliga-Farmteams der Albatrosse, in dem der älteste Spieler 22 Jahre alt ist. Es ist die Nahtstelle für die JBBL- und NBBL-Jahrgänge zum Seniorenbereich – im Idealfall schafft es ein Jugendlicher aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader, wie etwa zuletzt Ismet Akpinar. Femerling fungierte außerdem schon als Co-Trainer von ALBAs U16- und U19-Team und hat in dieser Funktion auch schon TOP4-Luft geschnuppert.

Harnisch: „Jugendtrainer sind der totale Schlüssel“

Henning Harnisch Foto: ALBA Berlin

Über den Stellenwert von Jugendtrainern kann sich Patrick Femerling im eigenen Verein mit einem der „geistigen Gründerväter“ der NBBL, Henning Harnisch, austauschen. Der hat sich als Vize-Präsident von ALBA BERLIN der Nachwuchsarbeit verschrieben – und dabei stets das große Ganze im Blick. „Hinsichtlich der qualifizierten Ausbildung von Jugendtrainer hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren erfreulicherweise eine ganze Menge getan. Alle haben verstanden, dass die Entwicklung der Talente mit der Qualifizierung unserer Jugendtrainer steht und fällt – Trainer sind der totale Schlüssel! Uns ist bei der Ausbildung der Trainer schon ein Quantensprung gelungen; jetzt gilt es, auf der Grundlage dieses hohen Niveaus weiter zu arbeiten“, sagte Harnisch in einem Interview für die NBBL.

Die Hartensteins: Wenn der Vater mit dem Sohne…

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Florian Hartenstein im Kreis seiner YOUNG RASTA DRAGONS. Foto: SC RASTA Vechta

Ein hohes Niveau in der Jugendarbeit haben inzwischen ganz viele Basketball-Vereine in Deutschland erreicht. Beispielsweise die YOUNG RASTA DRAGONS aus Vechta und Quakenbrück unter Federführung von Florian Hartenstein. Der ehemalige Profi-Center hat in den vergangenen Jahren das Quakenbrücker JBBL-Team zum Titel und die NBBL-Mannschaft ins TOP4 geführt. Aktuell steuern sowohl das U16- als auch das U19-Team der Spielgemeinschaft von Quakenbrück und Vechta auf Endrunden-Kurs.

Hartensteins „bestes Pferd im Stall“ wohnte bis vor kurzem noch unter dem selben Dach: Filius Isaiah gilt als eins der größten deutschen Talente, spielt aktuell für Zalgiris Kaunas und hat Chancen, beim kommenden NBA-Draft in der ersten Runde gepickt zu werden und damit einen garantierten Vertrag bei einem NBA-Team zu ergattern. Mit dem 17-jährigen Philipp Herkenhoff hat Hartenstein senior ein weiteres der größten deutschen Talente in Quakenbrück unter seinen Fittichen.

Ex-Nationalspieler auf der Trainerbank

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Hansi Gnad Foto: TSV Bayer Leverkusen

Genau wie bei Femerling und Hartenstein befand sich auch die „heat zone“ von Hansi Gnad zu dessen aktiver Zeit direkt unter den Körben. Heute betreut der Europameister von 1993 das NBBL-Team von TSV Bayer Leverkusen, das aktuell gegen ALBA BERLIN um den Einzug ins TOP4 kämpft. Tipps aus erster Hand für den Nahkampf in Brettnähe erhält vor allem Martin Linßen von Gnad. Der 18-Jährige, 2,04 Meter groß, 116 Kilo schwer, ist der Starting Center des Leverkusener NBBL-Teams und bringt neben seiner Statur auch jede Menge Talent auf der „Fünf“ mit.

Mit jeder Menge Talent ist auch das U19-Team des FC Bayern München gesegnet, das auch in diesem Jahr wieder zu den Top-Kandidaten auf die Endrunden-Teilnahme zählt. Hier sammelt Demond Greene, langjähriger Weggefährte von Dirk Nowitzki in der Nationalmannschaft, seine ersten Meriten als Jugendtrainer. Mit Steffen Hamann hat sich ein weiterer erfolgreicher BBL-Akteur, Deutscher Meister und Auswahlspieler dem Nachwuchsprogramm des FC Bayern angeschlossen, fungiert als Co-Trainer der Münchener U14-Mannschaft.

Trainer Jugendtrainer

Demond Greene sitzt auf der Trainerbank des FC Bayern München. Foto: FC Bayern Basketball

Schon lange im Nachwuchs-Geschäft ist Matthias Grothe bei Phoenix Hagen, wo er als Jugendkoordinator die Fäden in der Hand hielt und als Headcoach des ProB-Ligisten Iserlohn jungen Talenten aus der Region wie Jonas Grof, Julian Jasinski und Marcel Keßen den Weg auf das Senioren-Level ebnete. Außerdem war Grothe im vergangenen Jahr als Co-Trainer der U16-Nationalmannschaft tätig. Zur kommenden Saison wird er Cheftrainer von BBL-Absteiger Phoenix Hagen, wo er weiter stark auf die Nachwuchsförderung setzen will.

Felix Czerny Foto: Porsche BBA

Während seiner aktiven Karriere hat es Felix Czerny bis in die 2. Bundesliga und zum A2-Nationalspieler geschafft, ehe er seine Karriere im Alter von nur 22 Jahren verletzungsbedingt beenden musste. Titel hat er dann auf Anhieb als Jugendtrainer gesammelt: Das NBBL-Team von Urspring führte er sechsmal ins TOP4, viermal gewann er den Titel. Während dieser Zeit betreute Czerny unter anderem die heutigen BBL-Spieler Christian Standhardinger, Akeem Vargas, Maurice Stuckey, Kevin Bright, Sid-Marlon Theis, Bogdan Radosavljevic und Malik Müller. Heute ist er NBBL-Trainer bei der Porsche BBA Ludwigsburg.

 

„Es ist ein Privileg, bei einem großen Klub als Jugendtrainer zu arbeiten“

Die Liste der ehemaligen Basketball-Profis, die sich in der Nachwuchsarbeit engagieren, ließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Ex-Nationalspieler Vladimir Bogojevic coacht das JBBL-Team von ALBA BERLIN. Denis Wucherer, im Sommer scheidender Cheftrainer von Erstligist Gießen, betreute einst das Leverkusener NBBL-Team. Stephan Baeck, 1993 mit Hansi Gnad Europameister und nach wie vor das Gesicht des Kölner Basketballs, gab seine Erfahrungen auch schon an das U19-Team der RheinStars Köln weiter. Marvin Willoughby initiierte das Projekt Hamburg Towers, das auf den Säulen Nachwuchsarbeit und soziales Engagement fußt. Und, und, und…

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Patrick Femerling (hinten rechts) betreut aktuell das Farmteam von ALBA Berlin in der Regionalliga. Foto: ALBA Berlin

„Es gibt viele gute Trainer da draußen, viele Leute, die sich engagieren wollen – aber vielleicht es nicht können, weil sie nebenbei noch ein ganz normales Leben leben müssen. Und deswegen ist es auch ein Privileg, wenn man einen Job bei einem großen Klub wie ALBA BERLIN hat, als Jugendtrainer im Leistungssport – das fördert auch eine Bereitschaft, alles zu geben.“ Dem Schlusswort von Patrick Femerling ist nichts hinzu zu fügen.

PM: NBBL gGmbH – JF

17.04.2017|