Nachwuchs und Jugend Basketball Bundesliga

NBBL ALLSTAR Game 2010

NBBL ALLSTARS rauben Profis die Show!

Ein Blick auf das Cover des Programmheftes zum Beko BBL ALLSTAR Day im Bonner Telekom Dome wirkte trügerisch. Neben dem Datum und dem Veranstaltungsort war darauf Lokalmatador und Bundesliga-Profi Jared Jordan zu sehen, zudem der Hinweis auf die Autogrammstunde der Nord- und Süd-Stars um 16 Uhr. Auf Seite vier dann schließlich der erste Hinweis auf das, was sich im Blick in den Rückspiegel als sportlicher Höhepunkt des Tages entpuppen sollte: Das NBBL-ALLSTAR Game zwischen den besten U19-Akteuren.

Noch weiter hinten, auf Seite 20, gab es noch einleitende Worte zum Treffen der Youngster aus Nord- und Südhälfte, die in dieser Form schon 2008 und 2009 aufeinandergetroffen waren. In der ersten Auflage konnte sich der Süden, angeführt vom späteren MVP und jetzigen A-Nationalspieler Elias Harris, mit 65, 47 deutlich behaupten. Vergangenes Jahr revanchierte sich der Norden mit einem knappen 52:50 und stellte mit Juniorennationalspieler Jonas Wohlfahrt-Bottermann auch den dominierenden Akteur der Veranstaltung. Die Frage war also, welche Auswahl 2010 die Führung in der ALLSTAR-Bilanz würde übernehmen können?

Gut, dass auf eben jener 20. Seite des Programmheftes bereits Patrick Heckmann (ASC Mainz) genannt wurde. Der 17-Jährige ist aktueller NBBL-Topscorer und sticht aus einer ansonsten ungemein homogenen Mannschaft heraus, stellt sich aber auch in den Dienst des Teams und hat Mainz im Handumdrehen zu einem legitimen Titelanwärter gemacht. Der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt, war es auch beim Beko BBL ALLSTAR Day der junge Flügelspieler, der am Ende seine U19-Genossen überragte und den fulminanten Schlusspunkt des bislang besten NBBL-ALLSTAR Games setzte.

Über drei Viertel hatten „Nordianer“ und „Südianer“, wie Moderator Amiaz sie zu nennen pflegte, eine intensive Partie aufs Parkett gelegt, in der es sehenswerte Offensivaktionen zu bestaunen gab. Doch ganz im Gegensatz zu der landläufigen Meinung, an basketballerischen Feiertagen wie dem ALLSTAR Game werde keine Verteidigung gespielt, ackerten die Teams der Trainergespanne des Nordens um Henrik Rödl (ALBA Berlin) und Artur Gacaev (Paderborn Baskets) sowie des Südens um Felix Czerny (Team ALBA Urspring) und Wolfgang Ortmann (ASC Mainz) auch in der eigenen Hälfte. Dennoch hatten die in blauen Jerseys auflaufenden ALLSTARS aus der Nordhälfte den besseren Rhythmus und lagen nach drei Vierteln vorn (50:41, 30. Minute). Dann geschah das, was Czerny im Anschluss an die Partie mit „Die Jungs haben beschlossen das Spiel zu gewinnen und sind entsprechend intensiv ins letzte Viertel gegangen“ kommentierte. Plötzlich bekam Philipp Neumann (TSV Tröster Breitengüßbach) seine Finger an scheinbar jeden abgreifbaren Rebound, fand Aufbau Nico Barth (TV Langen) mit stoischer Gelassenheit den freien Schützen. Ehe sich der Norden versah, stand die Partie auf des Messers Schneide. Und während die Spieluhr unerbittlich heruntertickte, machte sich im Rund des Telekom Domes, zu diesem Zeitpunkt mit 4.500 Zuschauern schon gut gefüllt, die lautstarke Hoffnung auf eine Verlängerung breit.

Doch Niels Giffey (ALBA Berlin), mit insgesamt 22 Punkten Topscorer des NBBL-ALLSTAR Games, schien Anderes im Sinn zu haben. Unter Bedrängnis drückte er von weit jenseits der Dreipunktelinie ab und wusste den Spalding dennoch zu versenken, womit der Norden weniger als eine Minute vor Schluss 61:60 in Führung ging. Im Gegenzug tankte sich Dennis Ogbe (Franken Hexer) für den Süden bis an Brett durch, wurde von Daniel Theis (Junior Phantoms Braunschweig/Wolfenbüttel) aber per sauberem Block abgebaut – Ballbesitz Nord. Die Menge hielt es da schon lange nicht mehr auf den Sitzen, denn Giffey und Co. konnten ihren letzten Angriff nicht ausspielen, die theoretische Chance auf den Ausgleich oder gar Sieg durch den letzten Wurf war für die Süd-Auswahl also immer noch gegeben. Mit zwei erfolgreichen Freiwürfen erhöhte Giffey eiskalt auf 63:60 – viele Optionen hatte der Süden also nicht mehr. Vom Block zuvor unbeeindruckt schlich sich Ogbe in die linke Ecke des Spielfeldes und machte sich bereit, den blitzsauberen Pass Barths in Empfang zu nehmen und unter dem kollektiven Jubel des Massen auf den Rängen 1,2 Sekunden vor Schluss zu versenken (63:63). In der Verlängerung krönte Heckmann die tolle Aufholjagd des Südens mit immenser Nervenstärke. Sieben der neun erzielten Süd-Punkte gingen auf das Konto des Mainzers, der mit einem Notdreier im Seitwärtsfallen den 72:68-Endstand herstellte.

Im Anschluss an die Partie bekam Heckmann aus den Händen von NBBL-Geschäftsführer Uwe Albersmeyer die Trophäe des wertvollsten Spielers (MVP) überreicht. Viel feiern konnte der Youngster allerdings nicht, den schon tags darauf musste er mit der Mainzer Regionalliga-Vertretung erneut aufs Parkett. Ein ähnliches, wenngleich härteres Schicksal, hatte Nord-ALLSTAR Mathis Mönninghoff (Bayer Giants Leverkusen), der unmittelbar im Anschluss an das Bestentreffen noch am selben Abend in der ProB ranmusste – zum hauchdünnen 96:95-Sieg über die Licher BasketBären steuerte er 12 Zähler bei.

NBBL ALLSTARS Nord:
Niels Giffey (ALBA Berlin, 22), Anthony Canty (Eisbären Bremerhaven, 3), Lars Wendt (Paderborn Baskets, 7), Sadam Eco (Eisbären Bremerhaven, 5), Sebastian Fülle (ALBA Berlin, 3), Ole Wendt (Paderborn Baskets, 6), Stefan Arndt (Metropol Baskets Ruhr), Robin Christen (LTi Gießen 46ers, 2), Mathis Mönninghoff (Bayer Giants Leverkusen, 8), Daniel Theis (Junior Phantoms Braunschweig/Wolfenbüttel, 12).
Coaches: Henrik Rödl (ALBA Berlin), Artur Gacaev (Paderborn Baskets).

NBBL ALLSTARS Süd:
Felix Engel (Team ALBA Urspring, 6), Nico Barth (TV Langen, 2), Besnik Bekteshi (BBA Ludwigsburg, 18), Dennis Ogbe (Franken Hexer, 11), Danilo Barthel (Basket-College Rhein-Neckar, 4), Philipp Neumann (TSV Tröster Breitengüßbach, 12), Jakob Krumbeck (verletzt, Funkwerk Junior Baskets Jena), Patrick Heckmann (ASC Theresianum Mainz, 19).
Coaches: Felix Czerny (Team ALBA Urspring), Wolfgang Ortmann (ASC Theresianum Mainz).

(Quelle: NBBL / JB,)